Fokusgruppe

Fokusgruppen sind moderierte, strukturierte Gruppendiskussion mit sechs bis acht Teilnehmern zu wünschenswerten funktionalen Merkmalen und Usabilityanforderungen; häufig als Teil der Anforderungsanalyse. Die Teilnehmer von Fokusgruppen werden so ausgewählt, dass sie einen repräsentativen Querschnitt der Anwender der Software darstellen.

 

Ziele

Gedanken, Empfindungen und Meinungen der Nutzer erfahren, die sie bezüglich eines Produktes haben.

 

Beteiligte

Teilnehmer (Welche externen Teilnehmer sind eingebunden?)
Eine Fokusgruppe sollte bestenfalls unter Einbezug von Endnutzers oder Experten stattfinden.

Organisator (Welche internen Teilnehmer sind eingebunden?)
Als durchzuführende Person sind mindestens ein Moderator, ein Organisator und ein Beobachter einzuplanen.

 

Vorgehen

Vorbereitung
Definition des Ziels: Welche Erkenntnisse sollen gewonnen werden? Basierend auf der Beantwortung dieser Frage ist nun festzulegen welche Personen man als Teilnehmer einbeziehen möchte. Entsprechend wird die Zusammensetzung der Fokusgruppe festgelegt und eine Themenliste samt der Definition von Fragen für die Diskussion aufgestellt. Gemeinsam dienen die Themen- und Fragenliste als Grundlage für einen Gesprächsleitfaden. Die erste Frage ist so zu wählen, dass sie gut in das Thema einführt und jeder Teilnehmer etwas dazu beitragen kann. Alle Teilnehmer sollen sich an der Diskussion beteiligt sehen. Um einen reibungslosen Ablauf der Fokusgruppensitzung  gewährleisten zu können sind folgende Maßnahmen zu treffen:

  • Anzahl der Teilnehmer festlegen und einladen (ca. 1-2 Wochen vor der Durchführung)
  • Ort der Durchführung festlegen & ggf. ausreichend großen Raum reservieren 
  • Falls nicht bereits Teil des Organisationsteams ggf. Moderator, Co-Moderator und Beobachter rekrutieren

Ggf. kann den Teilnehmern bereits in der Einladung eine Aufgabe mitgeteilt werden, die sie zur Vorbereitung auf das Treffen ausführen. So können sich die Probanden schon im Vorfeld eine Meinung bilden. Die Beeinflussung durch ein Gruppendenken kann so verringert werden. Direkt vor Sitzungsbeginn sind der Raum und das benöitgte Material vorzubereiten. Dies umfasst

  • Tische und Stühle so anordnen, dass sich alle Teilnehmer sehen können
  • Videoaufnahmegerät so anbringen, dass alle Teilnehmen zu sehen sind
  • Namensschilder erstellen
  • Schreibmaterial bereitstellen, damit die Teilnehmer ihre Gedanken visualisieren können
  • Getränke und Snacks bereitstellen 
  • Aufnahmegeräte einrichten und testen

Bereits im Vorhinein sollte auch eine Vorgehensweise für die Datenauswertung entwickelt werden.

Durchführung
Zunächst werden die Teilnehmer begrüßt; der Moderator stellt sich und ggf. seine Kollegen vor. Den Teilnehmern wird das Thema vorgestellt und die Grundregeln der Diskussion erläutert (laut sprechen, sich nicht gegenseitig unterbrechen, Handys ausschalten, usw.) Die Teilnehmer stellen sich vor. Der Moderator leitet durch die Fragen und achtet darauf, den Fokus der Gruppe auf den relevanten Sachverhalt zu lenken. Ggf. kann ein Co-Moderator Notizen machen, die Zeit im Auge behalten und überprüfen, dass alle Themen angesprochen werden. Am Ende der Diskussion fasst der Moderator die Hauptpunkte der Teilnehmer zusammen und dankt allen für die Teilnahme. Ggf. werden den Teilnehmern Aufwandsentschädigungen und Kostenerstattungen ausgehändigt.

Nachbereitung
Zeitnah nach der Durchführung sollten die Erkenntnisse des/der Moderatoren zusammengefasst werden, da dann die Erfahrungen noch frisch im Gedächtnis sind. Die eigenen Notizen und Aufnahmen sind durchzugehen (ggf. zu transkribieren) und auszuwerten. Es wird ein Bericht erstellt, der alle Ergebnisse der Fokusgruppe zusammenfasst, sodass ein Außenstehender (z.B. ein Kollege, der nicht bei der Diskussion anwesend war) über die Resultate informiert wird. Die Fakten sollten belegt werden, z.B. mit Zitaten der Teilnehmer. Falls mehrere Fokusgruppen durchgeführt werden, sind die Ergebnisse zu vergleichen und ggf. zu kategorisieren.

 

Ergebnisse/Output

Feedback zur Einstellung der Teilnehmer gegenüber einem Produkt: Wie nutzen Teilnehmer das Produkt? Welche Inhalte und Funktionen werden nicht genutzt und warum? Fehlen den Nutzern bestimmt Funktionen oder Inhalte?

 

Vorteile

(Vor-)Urteile und die emotionale Einstellung potentieller Kunden lassen sich gut herausfinden. Eine Fokusgruppe ermöglicht die Erhebung einer großen Datenmenge in kurzer Zeit. Zudem erhält man direktes Feedback von realen Nutzern. Die Methode „Fokusgruppe“ kann zu verschiedenen Zeitpunkten in der Entwicklung eingesetzt werden. Es können verschiedene Designvarianten diskutiert werden. Fragen von Nutzern können beantwortet werden, die im Rahmen einer schriftlichen Umfrage nur schwer zu beantworten wären.

 

Nachteile

Die Methode ist für Webseiten nur bedingt geeignet. Bei bekannten Marken (oder solchen Unternehmen, die bekannten Marken Konkurrenz machen wollen) kann eine Anwendung hilfreich sein, um die Website an den Bedürfnissen der Nutzer auszurichten. Das Gruppendenken kann dazu führen, dass Teilnehmer ihre Meinung der erwarteten Gruppenmeinung anpassen und so ihre wahren Gedanken nicht äußern. Dem kann dadurch entgegengewirkt werden, dass die Teilnehmer schon vor dem Diskussionstreffen über die Themen informiert werden und die „Hausaufgabe“ erhalten, sich im Vorfeld darüber Gedanken zu machen und diese aufzuschreiben. Es wird ein erfahrener Moderator benötigt, da die Moderation einer Fokusgruppe schwierig ist. Durch die Moderation können die Teilnehmer beeinflusst werden. Oft handeln Nutzer anders, als sie es sagen. Daher sind die Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren. Daher rät Nielsen (2001): „Achte darauf was Nutzer tun, nicht darauf was sie sagen.“
Fokusgruppen können ein wertvolles Werkzeug in der Systementwicklung sein, sollten aber nicht die einzige Informationsquelle zum Nutzerverhalten sein. Die Methode liefert Informationen zu den Erwartungen der Nutzer, nicht aber zur Nutzerinteraktion mit dem System oder der Gebrauchstauglichkeit.

 

Praxis

Praxis-Tipps
Für eine Diskussion von 1,5 Stunden sollten ca. 5 bis 6 Fragen im Vorfeld definiert werden. Es ist darauf zu achten, dass die Fragen vermitteln, was mit der Durchführung der Fokusgruppe erreicht werden soll. Die Teilnehmer sollten einen Tag vor der Durchführung telefonisch an das Treffen erinnert werden. Die Aufzeichnungsgeräte sollten schon beim Eintreffen der Teilnehmer einschaltet werden. Es ist wichtig den Teilnehmern zu vermitteln, dass ihre Meinungen wichtig und wertvoll sind. Der Moderator muss dafür sorgen, dass die Diskussion immer am Laufen bleibt und ggf. mit Stichworten in die Diskussion eingreifen. Hierbei soll allerdings nicht der freie Fluss der Ideen der Teilnehmer behindert werden. Der Moderator muss darauf achten, dass alle Teilnehmer an der Diskussion beteiligt werden und die Meinungen einzelner Personen nicht dominieren.

Anwendungsbeispiele
Eine Website soll entwickelt werden. Zu Beginn der Entwicklung sollen potentielle Nutzer gefragt werden, was sie von der Website erwarten und sich wünschen.

 

Organisationen zu diesem Thema:

Karte

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