User Testing im Netz

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Wenn es um Usability geht, wollen mittelständische Unternehmen beim Einstieg schnell Ergebnisse sehen, ohne gleich tief in die Tasche zu greifen. MIt "Remote User Testing" kann man mit geringem Aufwand an erste Usability-Ergebnisse bekommen und hat keine hohen Einstiegskosten.

Im umkämpften Online-Markt haben Unternehmen den Bedarf, Usability und User Experience zu messen und zu verbessern, Meinungen und Bewertungen von Kunden zu sammeln und zu nutzen, Kaufverhalten und die Wahrnehmung ihrer Marke zu verbessern,
ihre Webseiten mit denen von Wettbewerbern und deren Design-Varianten zu vergleichen.
Dennoch zeigen Studien, dass besonders Mittelständler zögern, in Usability zu investieren. Und das obwohl bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) der Bedarf durchaus hoch ist. Knappe Mitarbeiterkapazitäten, beschränkte Ressourcen, ein daraus entstehender hoher Zeitdruck und die zu erwartenden Kosten behindern die Entwicklung.
„Wenn Usability-Maßnahmen schnell und preisgünstig signifikanten Nutzen erzeugen und messbar nachweisen lassen, würde das den Einstieg einfacher gestalten.“
erklärte Prof. Dr. Manfred Thüring auf der Herbsttagung 2013 des Konsortiums „Usability in Germany“ in seinem Vortrag "Nutzerzentrierte Softwareentwicklung im Mittelstand".
Eine Möglichkeit, ohne viel zu investieren, den kleinen Zeh ins Wasser zu stecken, kann „Remote User Testing“ bringen, wo der gesamte Prozess des Usability-Tests online abgewickelt wird.
 
Bei Remote Usability Tests wird zwischen zwei Arten unterschieden:
Synchron: Testleiter und Testperson sind zur gleichen Zeit an unterschiedlichen Orten. Der Test erfolgt unter der Anleitung durch den Testleiter
Asynchron: Der Test ist unabhängig von Zeit und Ort und wird ohne Anleitung durchgeführt. Ein vorher entwickelter Fragenkatalog macht in dem Fall die Moderation überflüssig.
 
Dadurch ergeben sich naheliegend (Kosten-)Vorteile:
 
1. Geringerer  Rekrutierungsaufwand
Bei Remote Usability Testing sind die Kosten für die Teilnehmer-Rekrutierung und Aufwandentschädigungen deutlich niedriger als bei Laborbasierten Tests.
Die Nutzer werden per Mail eingeladen. Sie füllen den Rekrutierungsfragebogen selbst aus. Das beschleunigt den Prozess für beide Seiten erheblich und führt zu geringeren Aufwandsentschädigungen.
 
2. Kein Moderator
Bei asynchronen Remote Usability Tests ohne Moderator, beantworten die Probanden online vorher entwickelte Fragen und bearbeiten vordefinierte Anwendungsaufgaben.
Für die Vorbereitung sind daher nur einige Stunden nötig, einmal um ein Testskript zu entwickeln und dann um die Ergebnisse in eine Test-Software einzugeben. Bei Folgetests verkürzt sich diese Zeit sogar weiter, da man sowohl ganze Studien als auch einzelne Aufgaben oder Fragen einfach in neue Skripte kopieren kann. Und um so höher die Anzahl der Teilnehmer, desto mehr Zeit wird eingespart.
 
3. Schnelle Ergebnisse
Die Test-Software generiert direkt eine automatisierte Datenanalyse. Standardisierte Usability-Kennzahlen wie Erfolgsraten, Klickraten, wie viel Zeit man an welcher Stelle verbringt oder Bewertungen der Nutzer werden automatisch aufgezeichnet. Unterschiede im Nutzerverhalten oder verschiedenen Nutzerprofilen sind über Filterfunktionen leicht auszumachen.
Individuelle Videos der Nutzerinteraktion erlauben zusätzlich eine eher qualitative Analyse auch außerhalb vorher getroffener Hypothesen. Die Videos können gefiltert werden. Etwa danach, ob Aufgaben erfolgreich beendet oder abgebrochen wurden, oder nach bestimmten Problemen in der Durchführung, wie auch den Gründen eines Abbruchs.
 
4. Internationale Studien
In globalen Märkten müssen Unternehmen ihre digitalen Produkte oft in verschiedenen Ländern testen, was einfach teurer ist. Reise- und Hotelkosten, internationales Projektmanagement, Übersetzungen, aufwendigere Rekrutierung etc.
Eine internationale Remote Usability Studie begrenzt diesen Aufwand:
Die Rekrutierung muss für jedes Land angepasst werden. Die meisten Online-Panel Anbieter bieten allerdings weltweite Rekrutierung auch an. Das Skript muss übersetzt und implementiert werden. Zudem müssen, falls verwendet, Antworten auf offene Fragen übersetzt werden.
 
5. Kein Usability Labor notwendig
In die Kosten für laborbasierte Tests gehen Miete, Instandhaltungskosten für das Labor, die Ausrüstung und die Wartung ein. Teure Innenstadtlagen, um Teilnehmern den Zugang zu erleichtern, wirken sich ebenfalls negativ aus.
 
Bei usertesting.com kann man einen Minitest mit 3 Probanden für 98 US-Dollar machen. Da hat man natürlich nur mal reingeguckt. Dennoch sieht man schon mal, was für Erkenntnisse das bringen kann.
 
Professor Thüring: „Wenn es gelingt, Usability-Maßnahmen einzuführen, wie es im internationalen Vergleich längst üblich ist, wird das erfolgreich sein. Dazu braucht man kein völlig neues Vorgehensmodell einzuführen, sondern man muss bestehende Geschäftsprozesse sukzessive verändern.“
 
Links:
www.usertesting.com
rapidusertests.com
www.userzoom.com/software/research-ca.../

12.11.13