Usability und die Politik

Welche Rolle spielt das Thema Usability in der deutschen Politik? „Benutzerfreundlichkeit“ allgemein ist in der Vergangenheit immer wieder Thema gewesen, ob bei der „Steuererklärung auf dem Bierdeckel“ oder beim Verbraucherschutz. Im Software-Kontext wird man jedoch so leicht nicht fündig: Eine Suchmaschinen-Abfrage nach der Kombination aus den Begriffen „Usability“ und „Politik“ ist ebenso wenig erhellend wie der Blick in die 2013er Wahlprogramme der politischen Parteien. Umso erstaunlicher ist es, dass sich das Thema im kürzlich geschlossenen Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD wieder gefunden hat. Wie ist es dazu gekommen?

Der Bundestag hat sich schon in den 1980er Jahren mit dem Thema IT im Rahmen einer Enquete-Kommission „Neue Informations- und Kommunikationstechniken“ beschäftigt. Allerdings war die Diskussion vor allem von der Angst vor potenziellen Gefahren geprägt. Bis zur Einsetzung der letzten Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ im Jahr 2009, zu Beginn der letzten Wahlperiode, war in der Politik für diese Themen wenig Interesse und geringe Kenntnis vorhanden. Und das, obwohl die Digitalisierung schon längst alle Lebensbereiche der Gesellschaft durchdrungen hatte.

Mit dem Einzug von mehr netzaffinen Politikern nach der Wahl im Jahr 2009 erhöhte sich das Interesse für Internet und IT-Themen im Parlament. Die Internetenquete war ein Gremium, in dem Experten und Abgeordnete in Projektgruppen gemeinsam verschiedenste Facetten der Digitalisierung und Handlungsempfehlungen für die langfristige parlamentarische Befassung mit den Themen erarbeiteten. Auch das Thema Usability war Teil der intensiven Diskussion, zum Beispiel stellte die Projektgruppe „Interoperabilität, Standards, Freie Software“ fest,

„dass die Benut­zerfreundlichkeit von Software (Usability) ein wich­tiger Erfolgsfaktor ist. Sie führt letztlich zur erforder­lichen Akzeptanz bei Anwenderinnen und Anwendern und sollte daher so früh wie möglich bei der Entwicklung der Software berücksichtigt werden. In der Ausbildung und im Studium sollte sie daher eine stärkere Berücksichtigung als bisher finden.“

Nicht nur im Parlament hat sich das Thema Usability in der letzten Wahlperiode entwickelt, sondern auch in den Ministerien. So entwickelte das Bundeswirtschaftsministerium das Programm „Mittelstand Digital“ als Bestandteil der IKT-Strategie „Deutschland Digital 2015“ und der Hightech-Strategie der Bundesregierung. Im Rahmen dessen wird das Thema unter der Überschrift „Einfach intuitiv – Usability für den Mittelstand“ ganz konkret und gezielt gefördert:

„Ziel der Initiative ist die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU). Dazu sollen im Rahmen der Initiative die Entwicklung und pilothafte Erprobung geeigneter Vorgehensmodelle zur Berücksichtigung von Usability-Kriterien während des gesamten Entwicklungs- und Auswahlprozesses betrieblicher Anwendungssoftware gefördert werden.“

Usability hat sich als entscheidender Wettbewerbsfaktor herausgestellt, prominentestes Beispiel ist Apple. Das Wachstumspotenzial des deutschen IT-Mittelstands – das Rückgrat und die Zukunftsbranche Deutschlands - steht in enger Verbindung mit dem Thema. Deswegen ist auch eine weitere Sensibilisierung und Schärfung des Bewusstseins in der Politik für die Wichtigkeit der Förderung von Usability-Praktiken sehr wünschenswert. Es gibt Anlass zur Hoffnung, steht doch im Koalitionsvertrag:

 „Wir wollen im globalen Wettbewerb „Software made in Germany“ als Qualitätsversprechen bzgl. Sicherheit, Datenschutz, Design und Nutzerfreundlichkeit stärken.“

Bleibt zu wünschen, dass die Internetrecherche zum Thema „Usability und Politik“ in einigen Jahren nicht nur insgesamt ertragreicher ausfällt, sondern eine gemeinsame Erfolgsgeschichte deutscher Politik und IT-Wirtschaft aufzeigt.

17.01.14