Usable, loveable – Jetzt heirate ich mein OS.

Erlaubnis zur Veröffentlichung von Warner Bros. Tel. Herr Andre Steinert
Die Interaktion zwischen Computer und User hat sich radikal verändert. Der Beginn eines völlig anderen Verhältnisses zwischen Mensch und Maschine. Wohin das führen kann, darüber spekuliert höchst amüsant der Hollywood-Film „Her“.

Usability geht zunehmend in Richtung einer Gestaltung der Mensch-Technik-Interaktion, die den Nutzer mit seinen Wünschen und seinem Verhalten zum Motor der Gestaltung macht. Der User-Interface-Forscher Ben Schneiderman, Professor für Informatik an der Universität von Maryland prophezeit:  „Früher ging es darum, was wir am Computer machen können, heute geht es darum, was der Computer für uns machen kann.
Der aktuelle Hollywoodfilm „Her“ entwickelt dazu eine pastellfarbene Vision a la Hollywood.
 
„Hallo, da bin ich.“ „High“; „High“; „Ich bin Samantha“ mit freundlich warmer Stimme meldet sich das neue Operating System zum ersten Mal bei Theodore Twombly, der gerade noch eher gelangweilt dem sehr knappen Konfigurationsprocedere folgte. Sofort ist er elektrisiert. Weil diese Schnittstelle wie keine andere ist; wirklich in seinem Kopf und das nicht nur per Ohrstöpsel. Die Linse im flachen Handy-Täfelchen, das aus Theodores Hemdbrusttasche hervorguckt, lässt Samantha sehen, was er sieht. Ihre Programmierung lässt sie lernen, was er mag und möchte. So wird Samantha schnell Theoderes virtuelle Freundin, die immer für den traurig Geschiedenen da ist, sich mit ihm unterhält und ihm viele Fragen stellt, über die Welt, das Leben und die Liebe.
 
So beginnt eine der absurdesten Love Storys der Filmgeschichte.
 
Der Regisseur von „HER“ Spike Jonze ist als Trendsetter bekannt. Er hat erfolgreiche Videos wie "Praise You" von den Fatboy Slim oder "Da Funk" von Daft Punk und den schrulligen "Being John Malkovich" und die schräge Komödie "Adaption" gedreht. Mit einem Betriebssystem als Darsteller, gespielt durch eine Stimme, im Original von Scarlett Johansson gevoicet, ist er erneut zu neuen Ufern aufgebrochen.
 
Theodores Twombly Leben spielt in einer Zukunft, die ziemlich ähnlich dem ist, was wir vielfach schon kennen. Die Digitalisierung ist zwar weiter fortgeschritten, aber Wohnen, Kleidung ist nicht mit Gewalt futuristisch. Was auffällt sind die pastelligen Farben, die eine softe, aber einsame Welt zeigen, ganz ohne Verkehrsstaus, Punker und Kriminalität. Eine Welt die auch den Zuschauer in seine Rosa Wolke packt, was die einlullende Wirkung von OS–Samantha noch verstärkt.
 
Samantha ist ja nicht nur ein Gesprächspartner. Alle Dinge, die wir heute an der IT schätzen, erledigt sie weiter. Sie sucht Antworten auf die Fragen, die wir heute google stellen. Sie möchte wissen, was wir mögen, um uns besser zu beraten, wie Amazon. Und OS-Samantha weiß immer, wo man ist, wie ja auch so einige. Natürlich kennt sie auch den Mailverkehr und den Ordner mit der Aufschrift privat und das Surfverhalten. Sie antwortet, geht aber auch selbstständig auf einen zu. Schon ausgesprochen faszinierend – ein echter persönlicher Assistent, immer Zeit, nie müde.
 
Ganz nach Ben Shneidermans Vision: „Erfolgreiche Innovationen sind leicht zu bedienen, universell und nützlich und helfen den Menschen ihr Leben zu verbessern.“
 
Wenn man Theodore Twombly fragen würde, wird er sicher bestätigen, dass Samantha genau das tut.
 
Natürlich ohne: Kann den Ordner nicht finden, dein Passwort ist nicht korrekt, kein Netz... So etwas gibt es in der Zukunft nicht. Jedenfalls nicht in echten Utopien.
 
Die Frage, die sich stellt ist, würde ein solches System, das lernt und sich entwickelt, wirklich so etwas wie ein eigenes Bewusstsein entwickeln und eben auch eigene Bedürfnisse ja eine Gefühlswelt entwickeln. Denn das treibt ab einem bestimmten Punkt die Handlung von „Her“ nach vorn. OS-Samantha macht ihr eigenes Ding.
 
Um den Spaß beim Ansehen des empfehlenswerten Filmes nicht zu zerstören, will ich jetzt nicht rumspoilern. Doch soviel sei gesagt. Wer mit der Logik des Digitalen vertraut ist, den wird das Ende weniger überraschen, als Andere.
 
Das zur Zeit ein OS (eine Stimme) denoch nicht mit einer reale Person konkurrieren kann, bestätigte das Golden Globe Komitee. Es hat abgelehnt, Scarlett Johansson als beste Nebendarstellerin zu nominieren, weil sie im Film nicht zu sehen sei. Obwohl ihre Stimme wirklich einzigartig ist und der ganze Film ohne OS-Samantha nicht denkbar wäre.

27.05.14