Namen von deutschen Usability-Agenturen: Was bedeuten sie?

Elisabeth, Kevin, Sören, Mia: Namen haben stets eine bestimmte Wirkung, die durch ihre Herkunft und ihr Umfeld mitbestimmt wird. Was für Menschen gilt, trifft auch für Unternehmen zu.

Wie Glynn und Marquis (2007) zusammenfassen, haben Unternehmensnamen sowohl eine interne als auch eine externe Dimension. Mit einem Namen identifiziert sich eine Organisation und positioniert sich in einem Bedeutungsfeld - organisationsintern beeinflusst dies, wie Mitarbeiter Sachverhalte erfassen, interpretieren und handeln. Über die Organisationsgrenzen hinaus stehen Namen in einem Verhältnis zueinander, mit ihnen klassifizieren sich Unternehmen als Mitglieder bestimmter Gruppen.

Sind diese Dimensionen auch im Usability-Feld zu beobachten? Grund genug, uns einmal die Namen betreffender Unternehmen in Deutschland anzuschauen und Ihre Bedeutung und Entstehungsgeschichte zu ergründen. Hier sind 12 Beispiele:

Centigrade GmbH: "Centigrade steht für Qualitätsarbeit ohne Kompromisse bis auf den letzten Pixel, Qualität also zu 100%. Diese Philosophie spiegelt sich in den beiden Wortteilen "Centi" (Lat. für 100) und "grade" (Engl. für "Qualität") wider. Der Anspruch gilt tatsächlich, der Bezug auf den Firmennamen ist jedoch ein Mythos. Die Entstehungs-Wahrheit: Ich bin das Oxford Dictionary begonnen von A an durchgegangen und habe nach wohlklingenden und vor allem ästhetisch aussehenden Hauptwörtern gesucht, die im deutschsprachigen Raum noch nicht vergeben sind."

eparo GmbH: "Die Namensfindung war bei unserer Gründung 2006 naturgemäß ein schwieriges Kapitel. Mit dem ersten Versuch 'AboutContext' haben wir das Unternehmen beim Handelsregister angemeldet, um kurze Zeit später zu erkennen, dass es ein Beratungsunternehmen mit sehr ähnlichem Namen gab. Also musste ein neuer Name her. Der zweite Versuch ('ExperienceFirst') fiel durch, da die .com-Domain bereits vergeben war. Danach haben wir den Versuch aufgegeben, Namen mit Bedeutung zu finden und beschlossen, einen Namen zu finden, der drei Grundanforderungen erfüllt: 1. die URL muss verfügbar sein, 2. der Name muss so einfach sein, dass man ihn möglichst nie buchstabieren muss, 3. der Name sollte so kurz und prägnant sein, dass ihn direkt auch als Logo verwenden kann.Wir haben dann alles mögliche probiert. Irgendwann auch die Kombination der Anfangsbuchstaben unserer Namen. 'paro' ging nicht. Vielleicht ein Vokal davor? 'eparo' klang dann am besten. Die URL war frei, die Google-Suche brachte keine relevanten Treffer, leicht zu sprechen und kurz. Bingo! Und wenn heute jemand fragt: 'Was heisst eigentlich eparo?', sagen wir immer: 'Einfach Patrick und Rolf.' Wenn dann die Nachfrage kommt: 'Und wofür steht das e?', antworten wir: 'Für einfach!'"

eye square GmbH: "Die Firma eye square hieß anfangs für eine kurze Zeit 'Image and Interface', abgekürzt i². Als die Gründer den Bereich Eye Tracking Forschung ausgebaut haben, haben sie entschieden den Begriff 'eye' in den Firmennamen aufzunehmen. Aus i² wurde 'eye square'. Das Auge steht für die Eye Tracking Forschung und weitere innovative apparative Verfahren. Das Quadrat für die wissenschaftlichen Methoden, die in unseren Forschungsprojekten zum Einsatz kommen."

Facit Digital GmbH: "Facit ist 3. Person Singular Indikativ Präsens Aktiv des lateinischen Verbs facere ['tun, machen, handeln']. Die Marke Facit ist seit den 80er Jahren etabliert als Marktforschungsinstitut. Facit stand dort schon immer dafür, dass Forschungsergebnisse auf den Punkt gebracht werden, der Kunde also mit einem hilfreichen Fazit rechnen kann. Facit Digital beschäftigt sich mit digitalen Medien, daher würde bei der späteren Gründung diese Ergänzung gewählt."

GfK SirValUse Consulting GmbH: "Ursprünglich wollte ich mit dem Unternehmen in Richtung quantitative Datenanalyse gehen und es etwas mit 'Intelligent Data Analysis' nennen. Das war aber alles schon weg. Meine Frau meinte dann: 'Nenn dich doch Graf Zahl, wie der Vampier aus der Sesamstraße.' Leicht abgewandelt wurde daraus Sir Data ('Herr Daten'). So hieß die Firma auch in den ersten 1,5 Jahren. Mit der Zeit haben wir festgestellt, dass wir immer mehr mit Usability-Beratung machten und der Name nicht mehr so gut passte. Unsere Kaufleute wollten aber nicht nochmal Geld in eine Umfirmierung stecken. Deshalb behielten wir das Logo und den 'Sir'. Nur mit dem zweiten Teil des Wortes haben wir angefangen zu spielen und und zu fragen: Was schaffen wir eingentlich? Wir schaffen Werte. Also 'Value'. Und wenn man da ein 's' einzufügt, wird 'use' daraus. Damit wird klarer, dass wir Dinge nutzbarer machen, also 'more usable'. Das war die Grundidee. Den Namen am Telefon zu buchstabieren ist allerdings echt immer ein Ding gewesen. Innerhalb der Firma ging als interner Spitzname auch herum, dass wir die 'Survival GmbH' sind - ein Pförtner bei einem Kunden hatte sich das so aufgeschrieben... Nun, schließlich ist die GfK eingestiegen und seit 1.7.2013 heißen wir GfK. Die Geschichte von 'SirValUse' ist aber immer wieder schön zu erzählen."

Handspiel GmbH: Wir haben uns bewusst einen deutschen Namen gewählt, um in der Sprache unserer "Anwender" zu sprechen. HAND - bedeutet alles, was ich touchen und mit Finger und Hand bedienen kann. SPIEL - bedeutet, dass wir alles leicht bedienbar und spielerisch gestalten. So dass unsere Anwender Spaß dabei haben."

Lemisoft.de: "Der Name entstand zu einer Zeit, in der das Unternehmen mit dem Schwerpunkt Software-Entwicklung tätig wurde. Erst zu einem späteren Zeitpunkt verschob sich der Fokus auf die Konzeption, Gestaltung und Entwicklung von User Interfaces und die Positionierung als Usability-Agentur. Der Name setzt sich aus dem vom Nachnamen abgeleiteten Spitznamen des Firmengründers ('lemi') und der Kurzform für Software ('soft') zusammen." 

Manymize.com: "Nutzer von Onlineshops haben ganz unterschiedliche Persönlichkeitsprofile und Inhaltspräferenzen. Diese Stellschrauben erzeugen letztendlich ein positives Erlebnis auf psychologischer Ebene. Diese Komponente stellt also das 'many' in 'manymize' dar. Durch konsequentes psychologisches Profiling und der psychologischen Optimierung bestehender und neuer Inhalte, sowie der Ausrichtung von Strukturen und Funktionen nach psychologischen Grundsätzen, optimieren wir sowohl die Kundenbindung, als auch letztendlich den Umsatz. So kommt also das 'mize' zustanden. Und zusammen entsteht so 'manymize' als Unternehmensname."

Plattform GmbH: "Wir wollten einen abstrakten Begriff, der unser Produkt beschreibt. Kernidee ist die Dualität: Plattform sowohl im Sinne der Technologieplattform als auch im Sinne der Kommunikationsplattform."

UCDplus GmbH: "Der Firmen-Name 'UCDplus' oder auch 'UCD+' basiert auf der Abkürzung UCD für User Centered Design. Also dem Prozess, der wiederum auf der 'Human-centred design for interactive systems' Richtlinie der ISO 9241-Part 210 basiert. Das 'plus' steht dafür, dass wir auch noch Leistungen darüber hinaus anbieten bzw. dass der UCD Prozess, so wie wir ihn umsetzen, noch herausragende Mehrwerte hat."

USEEDS° GmbH: "USEEDS kommt von: U C Ds oder U SEEDS (die Usability "Samen" die wir in die Unternehmen tragen). Ausserdem bin ich ein Fan von Leeds United und dachte USEEDS° hört sich auch sportlich an. Eine meiner All-time Favourites im Musik Bereich ist Nick Cave and the good Seeds. Und der Kringel nach dem Namen kommt aus unserem UCD Prozess. Tja, da wurde viel gedacht :)"

YOUSE GmbH: "Der Name YOUSE (ausgesprochen wie das englische Wort 'use') setzt sich zusammen aus YOU und USE und bedeutet 'Du benutzt'."

Fazit

Wir sehen also: Ja, beide Dimensionen sind klar erkennbar. Die meisten Namen erklären einerseits das interne Vorgehen bzw. den Anspruch des Unternehmens. Nach außen gerichtet beinhalten die Namen andererseits meist ein Wortspiel (Kreativität), sind technisch-abstrakt (Software, Analyse) und gleichzeitig kundengerichtet (Dienstleistung). Das umreißt das Usability-Feld doch sehr treffend.

Wer angesichts dieser schönen Beispiele jetzt einen neuen Namen sucht: Kein Problem! Hilfe gibt es auch im Internet, z.B. bei Panabee.com oder Dotomator.com. Und wer seinen Unternehmensnamen auf dieser Liste ergänzen will: Gerne einfach kommentieren oder uns per Mail anschreiben!

Weiterführende Literatur

Namen von Organisationen:
- Glynn, M.A., & Abzug, R. (2002). Institutionalizing identity: Symbolic isomorphism and organizational names. Academy of Management Journal, 45(1), 267-280.
- Glynn, M.A., & Marquis, C. (2007). Legitimating Identities. How Institutional Logics Motivate Organizational Name Choices. In: Bartel, C., Blader, S., & Wrzesniewski, A. Identity and the Modern Organization, 17-34.
- Zilber, T.B. (2007). Stories and the discursive dynamics of institutional entrepreneurship: The case of Israeli high-tech after the bubble. Organization Studies 28 (7), 1035-1054.
Vornamen:
- Lieberson, S. (2010): A Matter of Taste: How Names, Fashions, and Culture Change
- Gerhards, J. (2010): Die Moderne und ihre Vornamen: Eine Einladung in die Kultursoziologie


27.08.13