Usability von Software im Anwenderunternehmen – Mission erfüllt?

Das Thema Usability ist im Kontext der Softwareentwicklung seit einigen Jahren in aller Munde. Inspiriert durch die Erfolge prominenter Anbieter wie Google und Apple nehmen auch deutsche Softwarehersteller das Thema zunehmend als erfolgskritisch wahr. Auf der Seite der Anwenderunternehmen scheint das Thema Usability bisher noch weniger intensiv verfolgt zu werden. Vielfach ist hier noch unklar wann und in welcher Form die Usability von Software explizit berücksichtigt werden sollte.

Softwarehersteller können zum Thema Usability auf die Unterstützung spezialisierter Beratungen und Agenturen zurückgreifen, die diesen Markt seit einigen Jahren erfolgreich adressieren. Auch forschungsseitig wurde die Einbindung des Themas Usability im Rahmen einer user-zentrierten Softwareentwicklung und deren Verknüpfung mit agilen Ansätzen bereits intensiv untersucht. Dabei fällt in Beratung und Forschung auf, dass sich ein Schwerpunkt der Aktivitäten auf die Unterstützung von Softwareherstellern gebildet hat. Ungeachtet dessen ist ein tatsächlicher Nutzen von Usability erst dann erreicht, wenn sie auf Anwenderseite „ankommt“. Der Anwender nutzt die Software im Falle betrieblicher Informationssysteme im organisationalen Rahmen eines Unternehmens. Entsprechende Software muss daher nicht nur in der Evaluation beim Herstellerunternehmen eine gute Usability aufweisen, sondern auch in der realen Nutzung beim Anwenderunternehmen.

Ein erster Schritt in diese Richtung ist die explizite Berücksichtigung des Usability-Themas im Softwareauswahl-Prozess eines Anwenderunternehmens. Um dem Thema hier eine ausreichende Bedeutung zu geben, sollte sichergestellt werden, dass Usability-Kriterien eine ähnlich starke Gewichtung zukommt wie funktionalen Kriterien. Darüber hinaus kann und sollte bereits in der Kaufphase der konkrete Nutzungskontext beachtet werde, da dieser die Usability der Software stark beeinflussen kann. Hier spielt beispielsweise die Integrationsfähigkeit einer neuen Software in die gegebene Systemlandschaft eines Anwenderunternehmens eine große Rolle. Eine Software, die für sich alleine genommen eine herausragende Usability aufweisen mag, kann durch eine unzureichende Einbettung in zentrale Systeme eines Unternehmens (z.B. das ERP-System, ein Portal oder eine zentrale Benutzerverwaltung) für den Anwender in der täglichen Nutzung umständlich werden.

Im Nachgang zur Kaufentscheidung ist es ebenso von Bedeutung das Thema Usability auch im Einführungsprozess der Software ausreichend zu berücksichtigen. Gerade im Bereich betrieblicher Informationssysteme wird Software in den seltensten Fällen so genutzt wie sie gekauft wird. Im Gegenteil ist es in der Regel so, dass es zu umfangreichen Anpassungen und Erweiterungen kommt, indem die Software bedarfsgerecht konfiguriert und mit Zusatzprogrammen erweitert wird. Dabei kann sich das User Interface - als zentrales Bindeglied zwischen Benutzer und System der Dreh- und Angelpunkt user-zentrierter Entwicklung – erheblich ändern. Architektonische Vorgaben und Zwänge einer bestehenden Systemlandschaft können zu erheblichen Einbußen bei der Bedienbarkeit führen, wenn das Thema Usability in dieser Phase nicht ausreichend beachtet wird. Gleichzeitig eröffnet eine individuelle Erweiterung der Software während der Einführung auch die Chance, die Usability der Ausgangssoftware zu verbessern, auch wenn solche Verbesserungen oft nur noch kleinere Probleme bereinigen können.

Zusammengefasst zeigen sich beim Blick auf Softwareauswahl und –einführungsprozesse, das auf Seiten der Anwenderunternehmen noch ein großes Potential zur Optimierung der Usability im Nutzungsprozess schlummert. User-zentrierte Softwareentwicklung hat den Anwender im Namen – um ihn wirklich ernst zu nehmen muss das Thema Usability auch im Anwenderunternehmen ankommen.

20.08.13