Von Usability zu User Experience

Bedienbarkeit ist Standard geworden. So Don Norman (77), Design Legende und Mitbegründer der Beratungsfirma Nielsen Norman Group in einem Interview der Wirtschaftszeitung "brand eins". Die User Experience steht im Vordergrund, der Spaß an der Interaktion.

Don Norman provoziert gerne. So weckte er in den 80er Jahren die Computer-Branche mit dem Statement: „Wenn etwas nicht funktioniert, soll der User den Fehler nicht bei sich suchen, sondern beim Designer.“ In einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin „brand eins“ erklärt er jetzt kurzerhand das Thema Usability für erledigt. Zumindest für ihn selbst.
 
Der Begriff User Experience sei zwar auch schon 20 Jahre alt, sei aber immer noch nützlich wenn man darüber nachdenke, wie man den Kunden erfreut.
 
Er frage er sich nicht mehr, ob ein Produkt funktioniert und auch alle Features da sind, die in der Werbung angepriesen werden. Heute frage er sich: „Macht es Spaß etwas zu benutzen? Kann ich eine positive emotionale Bindung aufbauen?
 
Wer Produkte entwirft, müsse mittlerweile viele Dinge berücksichtigen, ein komplettes System denken. „Denn jedes neue Produkt ist streng genommen eine Dienstleistung.“ Beispielsweise sei ein Fotoapparat zwar ein Gerät, aber worauf es ankomme, sei es, Bilder zu teilen, zu archivieren, zu bearbeiten... Die Basis-Funktionen sind selbstverständlich.
 
„Ein simples System, das alle Fragen beantwortet. Das wollen die Menschen. Ein sorgfältig gestaltetes Produkt kommt ohne Bedienungsanleitung aus.“
 
Überraschend kritisiert er gerade das IPad seines früheren Arbeitgebers Apple, ansonsten immer das Vorbild für zeitgemäßes Design, ziemlich deutlich. Durch die Gestensteuerung habe Apple das Prinzip der Entdeckbarkeit abgeschafft, weil man nicht immer sehen könne, welche Auswahlmöglichkeiten man eigentlich hat. Das sei ein Rückschritt. Außerdem haben unterschiedliche Apps unterschiedliche Menues und Kommandos. Wann man mit wie viel Fingern wischen muss: „Ein Buch mit sieben Siegeln“. Es werde dauern bis sich da Standards rausbilden. Bei den ersten Autos saß der Fahrer auch im einen Model links oder rechts, beim anderen in der Mitte.
 
Die entscheidende Frage der Zukunft ist für Norman dabei, wie die Rollenverteilung zwischen Mensch und Maschine verbessert werden kann, wenn zum Beispiel Roboter in unseren Haushalt einziehen. Wie kann es zu echtem Dialog zwischen uns und intelligenten Geräten kommen? Wie kommunizieren die Maschinen untereinander?
 
Das ganze (sehr lesenswerte) Interview: http://www.brandeins.de/archiv/2013/fortschritt-wagen/das-thema-usability-ist-fuer-mich-erledigt.html
 
Don Norman (77), emeritierter Professor für Kognitionswissenschaften predigte das Denken über und für den Nutzer sowohl in der akademischen Welt als auch in führenden Unternehmen. Er war an der University of California in San Diego und der Northwest University in Illinois und leitete Mitte der Neunzigerjahre die Advanced Technology Gruppe bei Apple. Dort prägte er den Begriff User Experience, um anstelle der reinen Benutzbarkeit die ganzheitliche Erfahrung der Anwender im Umgang mit Technik in den Vordergrund zu stellen. Norman ist Mitbegründer der Beratungsfirma Nielsen Norman Group.

05.09.13