Gebrauchstauglichkeit von Anwendersoftware. Was ist das? Wem nützt es?

Gebrauchstauglichkeit von Software wird zunehmend zum Verkaufsargument. Denn „Usabilty“ steigert die Produktivität und verbessert die Kundenzufriedenheit.

Es ist noch gar nicht so lange her, da war die Bedienung von Software elend kompliziert, musste regelrecht „erarbeitet“ werden, und lud zu Fehlbedienungen geradezu ein. Das hat historische Gründe, war die Gestaltung der Software anfangs doch weitgehend den Softwareingenieuren überlassen, die an die Anwender ihre Ansprüche stellten. Wer mit einem falschen Tastendruck seine Arbeit zum Verschwinden brachte, weil er nicht verstand, was sich hinter dem blinkenden Cursorzeichen verbirgt und wie er darauf reagieren soll: selbst schuld.
 
„Noch heute glauben 70 Prozent aller Anwenderfirmen, das Software-Bedienprobleme ihre Produktivität mindern, doch für jeden zweiten Mittelständler ist es schwer, Software mit hoher Usability zu finden“, erklärt Professor Dr. Michael Woywode vom Institut für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim die Ergebnisse der Studie „Gebrauchstauglichkeit von Anwendersoftware als Wettbewerbsfaktor für kleine und mittlere Unternehmen“.
 
Denn der User ist kein Ingenieur. Für die Nutzer von Computern aller Art ist, was auf dem Bildschirm zu sehen ist „DAS PROGRAMM“, ob an einem Computer, einem Fahrkartenautomaten oder einem Smartphone. Diese Schnittstelle – das „User Interface“ – ist damit das wesentliche, je das einzige sichtbare Qualitätsmerkmal für den Anwender.
 
Damit der Anwender zufrieden ist, muss man beim Design der Schnittstelle eine Balance finden zwischen technologischen, herkunftsbedingten und gestalterischen Vorstellungen. Die Benutzerfreundlichkeit einer Software gibt hierbei Auskunft darüber, wie effektiv, effizient und zufriedenstellend Anwender die Software nutzen können, um im jeweiligen Anwendungskontext bestimmte Ziele zu erreichen. „Usability“ hat sich als Oberbegriff für diese Konzept durchgesetzt.
 
Nicht zuletzt die einfachen Konzepte der i-Welt von Apple, mit denen es gelungen ist, massenhaft Produkte auch an nicht Technikaffine zu verkaufen, verdeutlicht den Wettbewerbsvorteil von Benutzerfreundlichkeit. Dazu kommt noch eine außergewöhnlich hohe Identifikation mit den Produkten. Wenn man sich vor Augen führt, dass es das iPhone gerade mal 6 Jahre gibt, dann ist die Alltagsdurchdringung seines Bedienkonzeptes beispiellos.
 
„Wenn man sich die zwei erfolgreichsten Firmen im Moment anschaut, also google und Apple, dann gibt es interessante Parallelen. Der Schlüssel zum Erfolg ist Usability und Eleganz. Das konnte man sich vor einigen Jahren noch nicht vorstellen, aber sie machen diese Firmen sehr erfolgreich,“ meint Professor Woywode.
Auch die Erfolge von Social Media Plattformen wären ohne „usable“ Software nicht möglich gewesen. Facebook war ja, wie Apple und Google auch, nicht der erste Anbieter auf einem umkämpften Markt (Die erste Online-Community dieser Art war das bereits 1985 gegründete Netz „The WELL“.). Doch obwohl das Konzept von Myspace früher am Start, seit 2005 Marktführer und viel ausgefeilter war, zog Facebook auch mit der simplen Bedienbarkeit ohne Vorwissen 2008 am Konkurrenten vorbei, der heute als Soziales Netzwerk eigentlich keine Rolle mehr spielt.
 
Eine angemessene Benutzerschnittstelle verzichtet auf Handbuch und lange Erklärungen. „Sie organisiert die Funktionalität der Software, verhindert Fehlbedienungen, erklärt sich bestenfalls von selbst oder erschließt sich nach kurzer Einarbeitung und führt so über die Usability zur User Experience, die neben der Bedienbarkeit ein Gesamterlebnis bietet, dass Spaß macht,“ erklärt Professor Woywode. So nützt ein Produkt mit hoher Usability sowohl Produzenten als auch Usern. Der User ist froh über alles was reibungslos funktioniert, gibt bestenfalls noch eine Empfehlung. Der Softwareproduzent kann seine Produkte erfolgreicher verkaufen.

Wie Gebrauchstauglichkeit von Anwendersoftware ein Wettbewerbsvorteil sein kann, lesen sie auf www.usability-in-germany.de/studie.

26.11.13